Keine Angst vor den Schwarzen Listen

Verbraucher können durch den Widerruf eines teuren Kredits mit Hilfe des sogenannten Widerrufsjokers viele Tausend Euro sparen. Darüber haben wir an dieser Stelle schon mehrfach berichtet. Wer den Widerrufsjoker zieht, hat aber auch ein Problem: Er braucht eine Anschlussfinanzierung, wenn er das Geld, das er zur Tilgung des teuren Darlehens benötigt, nicht gerade unter dem Kopfkissen liegen hat. Zwar führt bei weitem nicht jeder Widerruf dazu, dass der Kunde seine Bank verlässt. Aber zumindest theoretisch ist es denkbar, dass die Bank einen Widerruf zum Anlass nimmt, um ihren Kredit innerhalb von 30 Tagen zurückzufordern.
Und dieses Problem kennen die Banken. Deshalb verbreiten sie lauthals über die Medien, dass Verbraucher, die einen Kredit widerrufen, auf eine sogenannte Schwarze Liste kommen und keine Anschlussfinanzierung mehr bekommen. So sagt beispielsweise einer der Marktführer im Bereich der privaten Baukredite, die ING Diba, klipp und klar, dass sie keine Kredite mehr für all jene anbietet, die den Widerrufsjoker gezogen haben. Das Ziel ist ebenso klar wie perfide: Kreditnehmer sollen davon abgehalten werden, von ihrem guten Recht Gebrauch zu machen – aus Angst, anschließend ganz ohne Finanzierung dazustehen.
Aus Sicht des Verbrauchers ist das natürlich ein Unding: Einige Banken versuchen hier, mit einer Angstkampagne den Verbraucherschutz auszuhebeln. Eigentlich ein Fall für die Politik. Glücklicherweise handelt es sich bei den Finanzinstituten, die so handeln, um eine Minderheit und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich das ändert.
Deswegen lautet meine Aussage an alle, die sich den Widerruf eines Kredits überlegen, aber bisher noch zögern: Solange Ihre persönliche Bonität stimmt, müssen Sie keine Angst haben, anschließend ohne Finanzierung dazustehen.
Die Interessengemeinschaft Widerruf (www.widerruf.info) arbeitet mit mehreren unabhängigen Finanzierungsvermittlern zusammen, die spezielle Angebote für Nutzer des Widerrufsjokers geschnürt haben. Inzwischen ist es uns auch gelungen, mit einer Bank ein Angebot zu verhandeln, das eine deutlich verlängerte Frist für die Annahme eines Kredits vorsieht. Und das geht so: Die Bank prüft die Bonität und die Besicherung – wie bei jedem anderen Kredit auch. Wenn sie sich zu einer Finanzierung entscheidet, dann gibt sie allerdings nicht nur ein Kreditangebot mit einer Laufzeit von 30 Tagen ab, wie das üblich ist. Stattdessen sichert sie zu, das Angebot über volle sechs Monate aufrecht zu erhalten. Der Zinssatz wird in diesem Zeitraum natürlich den Marktbewegungen angepasst und auch Ihre Bonität darf sich in dieser Zeit nicht deutlich verschlechtern.
Der Vorteil für den Kreditnehmer: Er kann diese sechs Monate nutzen, um mit seiner bestehenden Kreditbank in Ruhe über einen Ausstieg aus dem Kredit zu verhandeln. Denn eines zeigt unsere Erfahrung: Der Widerruf eines Kredits ist in der Regel nicht in zwei oder drei Wochen über die Bühne zu bringen. Meistens zieht sich die Sache über einige Monate. Gut dran ist, wer hier bereits das Angebot für eine Anschlussfinanzierung in der Tasche hat. Allerdings handelt es sich bei dem 6-Monats-Angebot der IG Widerruf vorerst nur um ein regional gültiges Angebot in Hessen. Wir arbeiten aber daran, dies auszuweiten.
Verbraucher müssen also keine Angst vor den Schwarzen Listen der Banken haben. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens bekommen etliche Kreditnehmer, die ihren Vertrag widerrufen, von ihrer Bank ein neues Angebot mit deutlich niedrigeren Zinssätzen, so dass ein Wechsel gar nicht nötig ist. Der vernünftige Kompromiss ist also nach wie vor die Regel und nicht die Ausnahme. Zweitens gibt es für diejenigen, bei denen der Widerruf dazu führt, dass der Kredit beendet wird, ein ausreichendes Angebot für Refinanzierung. Voraussetzung sind Experten, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben und Ihnen ein individuelle Angebot für einen Anschlusskredit machen können.

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