Diesel Kredite: BGH stutzt Widerrufsjoker – doch gute Chancen bleiben

Viele Besitzer eines Diesel PKW fühlen sich von Politik und Herstellern alleine gelassen. Ihre Fahrzeuge verlieren an Wert und sind von Fahrverboten bedroht. Autobesitzer, die den Kauf ihres Autos über Kredit oder Leasing finanziert haben, versuchen mit dem sogenannten Widerrufsjoker ihren Finanzierungsvertrag anzufechten, um das Fahrzeug zurückzugeben. Der Bundesgerichtshof hat nun zwar einige Argumentationen ausgehebelt – dennoch bleiben viele Fälle aussichtsreich.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zwei Klagen von Diesel-Besitzern abgewiesen, die ihre Kfz-Kredite widerrufen hatten, um ihre Fahrzeuge an die Bank zurückgeben zu können (Az: XI ZR 650/18 und XI ZR 11/19). Die Kläger hatten Formfehler in den Finanzierungsverträgen von Ford Bank und BMW Bank geltend gemacht, die den Widerruf noch lange nach Abschluss der Darlehen möglich machen sollte.

Doch der BGH sah die bemängelten Punkte als nicht fehlerhaft an – ein nachträglicher Widerruf sei damit jedenfalls nicht zu begründen, so der BGH. Beide Klagen wurden abgewiesen. Ist damit der Widerrufsjoker für Kfz-Kredite tot? Nein, sagen Anlegeranwälte – und sie haben gute Argumente dafür.

Zwar hat der BGH nun einige Kritikpunkte von Verbraucherschützern zurückgewiesen – das ist ohne Zweifel ein Rückschlag. Dennoch bleiben Schwachstellen in vielen Verträgen, mit denen Verbraucher die Rückabwicklung eines Kfz-Kredits durchsetzen können. Denn über viele Formfehler, die sich in Auto-Finanzierungen finden, hat der BGH gar nicht entschieden. Zahlreiche Banken informieren zum Beispiel in ihren Verträgen gar nicht oder nur lückenhaft über das Verfahren, das bei Kündigung des Vertrags einzuhalten ist – ein Verstoß gegen die sogenannten Pflichtangaben, die jeder Verbraucherkredit enthalten muss.

Hier können Sie kostenlos und unverbindlich prüfen lassen, ob der Widerruf eines Kredit- oder Leasing-Vertrags für Sie in Frage kommt.

So zeigen unsere Erfahrungen, dass sich beispielsweise die Kreditinstitute des Volkswagen-Konzerns (VW Bank, Audi Bank, Seat Bank, Skoda Bank) in großem Stil mit Klägern vergleichen – und zwar zu äußerst vorteilhaften Konditionen für Verbraucher. In der Regel wird dabei entweder das Fahrzeug zurückgenommen oder Schadensersatz gezahlt, wenn der Kunde das Auto lieber behalten will. Ein ähnliches Vorgehen beobachten wir auch bei anderen Autobanken. Offenbar versuchen die Konzerne, negative Gerichtsurteile zu vermeiden. Ob dieses Verhalten auch nach dem aktuellen BGH-Urteil unverändert bleibt, muss man abwarten.

Dennoch kann man ganz klar sagen: Der Widerrufsjoker bleibt aktuell. Die Kredit- und Leasingverträge der Autobanken sind in vielen Fällen fehlerhaft. Zwar hat der BGH nun einige dieser Punkte entkräftet. Doch eine große Zahl von Formfehlern bleibt in der Diskussion. Dabei ist der Widerruf von Kfz-Finanzierungen nicht auf Diesel-Fahrzeuge beschränkt. Da es ausschließlich um Formfehlern in den Verträgen geht, ist der Widerrufsjoker auch für Benziner anzuwenden – und zwar unabhängig davon, ob das Auto als Neu- oder Gebrauchtwagen gekauft wurde.

Betroffene Verbraucher sollten daher prüfen lassen, ob der Widerrufsjoker für sie auch nach dem BGH-Urteil weiter in Frage kommt. Eine solche Prüfung nehmen spezialisierte Anwälte vor – beispielsweise kostenlos und unverbindlich bei der Interessengemeinschaft Widerruf.

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